Soziale Stadtführung macht Schule

In Hildesheim erkunden Jugendliche ihre Stadt auf eine besondere Weise: Im Bildungsprojekt „Soziale Stadtführung macht Schule“ lernen sie Orte und Lebensrealitäten kennen, die sonst oft unbemerkt bleiben.
Rund 500 Schüler*innen, Auszubildende und Studierende nahmen bisher an den Führungen teil. Die Routen führen vom Ottoplatz bis zum Sozialcafé Vinzenzpforte und werden durch Unterrichtseinheiten in Schulen ergänzt. So werden die Jugendlichen in ihrem gewohnten Umfeld abgeholt und gleichzeitig zu neuen Perspektiven auf das Thema Armut und Wohnungslosigkeit angeregt.
Das Projekt verfolgt das Ziel, junge Menschen nachhaltig zu sensibilisieren und Begegnungen auf Augenhöhe zu ermöglichen. Dabei übernehmen ehrenamtliche Stadtführer*innen, die selbst Erfahrungen mit Wohnungslosigkeit gemacht haben, eine zentrale Rolle. Für sie eröffnet die Arbeit neue Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe und Persönlichkeitsentwicklung.
Ein prägender Moment entstand im Rahmen einer Unterrichtseinheit, als auf die Frage „Wer von euch ist denn schon mal umgezogen?“ ein Schüler antwortete: „Ich, wir mussten weg, denn mein Vater hat uns geschlagen.“ Diese Situation machte deutlich, dass persönliche Brüche und Schicksalsschläge in allen Lebenswelten vorkommen können.
Im Verlauf des Projekts zeigte sich, dass jüngere Schüler*innen teils unruhig reagierten oder scherzhaft mit dem Thema umgingen, was vertiefte Gespräche erschwerte. Ebenso bedeutete die Arbeit mit großen Gruppen und im schulischen Kontext eine Herausforderung für die Stadtführer*innen. Durch regelmäßige Einsätze und Kooperationen konnte jedoch zunehmend Routine und Sicherheit im Umgang mit diesen Situationen gewonnen werden.
Auch die persönlichen Erzählungen stellten eine emotionale Belastung für einige Beteiligte dar. Projektleiter Claude Englebert begleitete die Stadtführer*innen mit Gesprächen und Reflexionseinheiten, um Erfahrungen gemeinsam aufzuarbeiten.
Heute sind die sozialen Stadtführungen an mehreren Schulen fest im Programm verankert. Gleichzeitig hat das Projekt das öffentliche Profil der Vinzenzpforte in Hildesheim gestärkt und zu einer offeneren Wahrnehmung sozialer Themen in der Stadt beigetragen.




Wir fördern
Herz und Verstand

Wir fördern
Herz und Verstand.

